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RockBlog: DEATHSTARS im Underground (Köln)

14. Dezember 2014 - LaberPlanet vs. RockBlog, Musik & Co., RockBlog

The Perfect Concert – Deathstars im Underground

deathstars undergroundAm Sonntag, dem 9. November 2014 wurde es in Köln hart und düster. Zum Abschluss ihrer Claws through Europe Tour spielten Deathstars mit Vorband The Dead and Living im Gepäck im ausverkauften Underground. Von Ermüdung nach einer langen (und gefährlichen) Tour keine Spur: hier wurde gefeiert und gerockt bis zum Schluss.

Brachiale Friedhofsmusik erklingt über einer dunklen Bühne, während sich im proppenvollen Underground alle dicht aneinander drängen. Das Flair ist irgendwo zwischen Nightmare before Christmas und Schauerromantik, dann erklingen die ersten durch Mark und Bein dringenden Schläge auf den Drums. The Dead and Living betreten die Bühne und machen von Anfang an viel Druck mit ihrer Musik. Das Publikum nimmt es begeistert auf.

Manchmal hat man es ja, dass die Vorband eher mäßig begeistert und nur höflich beklatscht wird. Gleich vorweg: das war bei The Dead and Living absolut nicht der Fall. Man merkt den vier Jungs aus Schweden nicht an, dass sie zum ersten Mal in Köln spielen. Sänger Coroner hat das Publikum völlig im Griff, und animiert so kräftig zum Mitsingen und Klatschen, dass man auf die Idee kommen könnte, die Zuschauer wären extra wegen ihnen gekommen. Auch Gitarrist Janitor, Bassist Gravedigger und Drummer Vincent legen sich ins Zeug und werden bei einem Song sogar von Whiplasher von Deathstars persönlich unterstützt! Dieses unerwartete Zusammenspiel überrascht auch Coroner und er bittet sogleich um Videozusendung, falls jemand im Publikum fleißig mitgefilmt hat.

Unterstützung haben The Dead and Living aber gar nicht nötig, vor allem nicht stimmlich. Neben alten Songs wie „Mayday mayday“ oder „Suck’em dry“ von der ersten Scheibe „Decadance“ (2010) oder „While you pray“ vom letzten Album „The Last Men Standing“ (2013), bekommt das Underground an diesem Abend die Singles der neuen EP zu hören. „Vive Dead Revolution“, „Vanity“ oder „Angel Eyes“ kommen gut beim Publikum an und passen in den rockig-punkig-düsteren Stilmix der Band. So ist es kein Wunder, dass The Dead and Living gar nicht von der Bühne wollen und Deathstars, die Drummer Vincent bereits herausgetragen hatten, bitten, ihren Schlagzeuger noch einmal zurückzugeben, um das Publikum mit ein paar Zugaben zu erfreuen.


Es bleibt düster, es bleibt rockig, es bleibt schwedisch, doch langsam wird es immer heißer und das Publikum noch begeisterter, als nach der Umbaupause endlich Deathstars auf die Bühne kommen! Sehr selten haben wir erlebt, dass nicht nur uns, sondern auch das Publikum, Vorband und Hauptact gleichermaßen vom Hocker gerissen haben, aber schnell wird klar, dass das an diesem Abend der Fall ist. Egal, welchen Song Deathstars spielen, ob alt oder neu, hier ist niemand „nur so ein bisschen Fan“, sondern alle mit vollem Einsatz dabei. Bis in die letzten Reihen wird getanzt, gewippt, geklatscht und mitgesungen. Die Begeisterung geht soweit, dass ich mich fast schäme, als scheinbar einzige nicht textfest zu sein, da ich das neue Album „The Perfect Cult“ bislang erst ein Dutzend Mal gehört hatte. Ein Fan hat sogar die schwedische Flagge mitgebracht und schwenkt sie über dem Kopf.

Neben Stücken vom neuesten Album haben Deathstars aber auch eine breite Sammlung Songs ihrer bisherigen Platten dabei. So beginnt es mit „Temple of Insects“ von der „Perfect Cult“ um über „Metal“ (von der „Greatest Hits on Earth“ 2011) zurück bis in die Anfangstage mit „New Dead Nation“ vom ersten Album „Synthetic Generation“ zu gehen. Dem Publikum ist es egal, es ist nicht erkennbar, dass hier das eine oder andere Album bevorzugt wird. Allgemein ist die Stimmung gut, und Sänger Whiplasher überzeugt sowohl mit atemberaubend tiefer Gänsehautstimme als auch hohen Shouts. Nightmare an der Gitarre, Skinny am Bass und Vice hinter der Schießbude vervollständigen die Industrial Rock Klänge und sorgen dafür, dass im Konzertsaal niemand ruhig stehen bleibt.

Der Song „Explode“ trifft es vielleicht am besten, was an diesem Abend im Underground los ist. Der Tourabschied wird würdig gefeiert und niemand will die Jungs überhaupt gehen lassen.
Dabei gibt es auch ruhige Momente, etwa, wenn ein Dank an den Busfahrer geht, dessen beherztem Eingreifen zu verdanken ist, dass wenig zuvor in Österreich nur der Tourbus in Flammen aufging und nichts schlimmeres passierte. Melancholisch wird hier aber niemand, und Deathstars müssen noch einige Zugaben bringen, bevor das Publikum sich zufrieden gibt.


Ein rundum gelungener Abend, den man definitiv weiterempfehlen müsste, wenn die Tour nicht jetzt schon vorbei wäre. Ich werde jetzt erst mal erneut „The Perfect Cult“ hören und danach auf die Suche nach Liedern von The Dead and Living gehen.

Setlist:

Temple of Insects
Metal
New Dead Nation
All the Devils Toys
Tongues
Death Dies Hard
Explode
Synthetic generation
The perfect cult
Greatest Fight on Earth
Chertograd
Night Electric Night
Play God
Semi Automatic
Blood Staines Blondes

Zugaben:

Fire Galore
Cyanide
Blitzkrieg

Bericht: Emma
Photos: Schmuddel

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