Rock im Betonwerk – Tag 2
Die leicht fröstelnden Temperaturen vom Vorabend verleiten viele Besucher am zweiten Tag des Rock im Betonwerks einen Kleiderberg im Zwiebellook am Körper mit sich herumzutragen. Aber sie rekelten sich nicht noch in ihren Zelten oder Bettchen zwischen den Daunen, sondern pilgern schon recht ansehnlich und zahlreich vor die Hauptbühne um dort den Klängen von Origin of Zed zu lauschen.
Die noch recht junge Band Origin of Zed wurde erst im Jahr 2008 von Frontmann Zeppie gegründet. Mit viel Biss rocken sie sich als Opener durch das Programm wie die Aussage „unser Gitarrist Ling² lag gestern noch im Krankenhaus“ auch beweist. Die kreisenden Dreadlocks von Zeppie und die rockigen Klänge lassen beim Publikum den Schlaf aus den Augen bröckeln und stimmen wunderbar auf einen tollen und langen Tag ein.
www.facebook.com/originofzed
Eine kleine Änderung zum Vortag ist, dass beide Bühnen im Wechsel bespielt werden. Löblich ist hier allerdings, dass jeder Zuhörer sich auch jede Band anschauen kann, so er denn will. Eine Überschneidung in den Spielzeiten sucht man im Plan vergebens. So pilgern die ersten Besucher nach den letzten Klängen von Origin of Zed schnurstracks rüber zur Indoor Bühne.
Eine ziemlich kurze Anreise hatten die vier Musiker aus Chemnitz. Narph rocken und überzeugen durch ihre Spielfreude und die Kunst, dass jedes Stück ein Mix aus verschiedenen Einflüssen beinhaltet und doch funktioniert.
www.myspace.com/narphband
Sympathischer und ehrlicher Mittelalter-Metal erklingt von der großen Bühne. Ingrimm starten ihr Programm mit viel Charme und Witz im verborgenen. Immer wieder blitzt eine hochgezogene Augenbraue oder eine herausgestreckte Zunge auf. Wer bei dieser Band jedoch das klassischen Mittelaltergeplänkel erwartet wird sicherlich enttäuscht sein. Neben Gitarre und Dudelsack bilden die harten Riffs der Gitarre und der rockige Sound das Fundament von Ingrimm. Diese schaffen es auch zig Leute aus ihren Schlafsäcken zu rocken. Der Platz vor der Bühne ist richtig gut gefüllt, die Stimmung zu dieser doch sehr frühen Zeit überzeugend gut und lassen den Schluss zu, dass Ingrimm auch zu einer späteren Spielzeit funktioniert hätten bzw. später hätten spielen müssen.
www.ingrimm.com
P.R.A.N.K. eine Mischung aus Trash und Speed Metal verwirren im ersten Augenblick. Kurz überlegt man, ob man sich nicht auf den Ballermann verlaufen hat. Mit Shorts, die man einfach im Schwimmbad oder am Strand erwartet, betreten zwei der Musiker die Bühne. Mit einsetzender Musik weiß man aber spätestens, dass man sich nicht verirrt hat und sich noch immer auf dem Festivalgelände befindet. Aber auch ohne diese Shorts würden P.R.A.N.K. durch ihren musikalischen Stil im Gedächtnis der Zuhörer bleiben.
www.facebook.com/PRANKMETAL/info
Als Senkrechtstarter werden Cripper aus Hannover gehandelt. Deutscher Trash-Metal mit Frauenstimme kommt auch in Metalbach ziemlich gut an. Gerade Frontfrau Elchkuh Britta versteht es das Publikum röhrend anzuheizen und so kreisen bei den ersten Liedern schon die Haare wie wild im Publikum. Eine wunderbare Mixtur aus alten und neuen Songs werden raffiniert durch die Boxen geschickt. Gerade dieses Jahr dürfte mit dem erscheinen des dritten Studioalbums ein spannenden und wegweisendes für Cripper werden. Aber es bleibt zum Ende des Sets kein Zweifel daran, dass man von Frau Elchkuh und ihren Mannen zukünftig noch einiges hören dürfte.
www.cripper.de
Blinzelnd stehen die vier Musiker von The Bulletmonks auf der sonnendurchfluteten Bühne. Frontmann Tyler Voxx witzelt auch direkt rum „wenn man mal eine Sonnenbrille braucht, ist sie nicht da“. Die ihm durch einen Fotografen zu Füssen gelegte Sonnenbrille übersieht er allerdings. Der rhythmische Mix aus Rock, Metal und ein wenig Blues erinnert an Led Zepplin. Auch The Bulletmonks haben just dieses Jahr einen neuen Silberling auf die Menschheit losgelassen. Seit Anfang des Jahres schwirrt „Royal Flush on the Titanic“ durch die Lande, macht halt auf diversen Festivals in Deutschland und überzeugt.
www.bulletmonks.com
Woran lässt sich eine Band messen? Zum einen am Erfolg und zum anderen daran, dass sie es mit einem Wimpernschlag schaffen, die Barriere zwischen Bühne und Publikum klitzeklein erscheinen zu lassen. Saltatio Mortis klettern seit Jahren auf der Erfolgsleiter nach oben, Schritt für Schritt spielen sie sich mit einer enormen Livepräsenz und einem Mammutprogramm an Auftritten in die Herzen der Hörer. Die Entwicklung ist unübersehbar. Auch unüberhörbar, denn jedes Lied wird von den Fans mitgeröhlt. Sämtliche Hände recken sich gen Himmel, Fäuste und „Pommesgabeln“ wirbeln im Takt vom Schlagzeug durch die Luft. Neben kleinen Geschichten, Sprungeinlagen von Alea und dem mittlerweile obligatorischen Sprung von Frontmann Alea ins Publikum runden diesen Auftritt ab.
www.saltatio-mortis.com
Grave dürften schon mehr Bandjahre auf dem Buckel haben, als so manch einer von den Besuchern, die sich vor der Black Stage tummeln und ihre Haare und Nacken im typischen Takt der Death Metal Band schwingen. Die Schweden verzaubern besonders im Umgang mit ihren Instrumenten, gekonnt setzen sie sich und ihre musikalischen Lieblinge in Szene. Im Gepäck haben auch sie eine neue CD mit dem Namen „Endless Procession of Souls“.
www.grave.se
Es wird PINK. Die komplette Bühne erstrahlt in der „wundervollen“ Mädchenfarbe. PINK kann auf einem Festival lediglich eins bedeuten: es ist Zeit für Spaß – es ist Zeit für J.B.O. Auch die Anzahl der Security Leute im Fotograben steigt an und an dieser Stelle muss gesagt werden, dass diese Jungs trotz der langen Tage und kurzen Nächte einen verdammt guten Job gemacht haben und man sich jederzeit gut umsorgt und bewacht fühlte. Selbst die Strahler beleuchten die Musiker mit einem Hauch von Pink. Selbst für die ganz wenigen Menschen, die noch nie in den Genuss einer J.B.O. Show gekommen ist, kann die Lieder der Band aus Erlangen zu mindestens mit summen. J.B.O. greifen auf bekannte Stücke der Musikgeschichte zurück und bestücken diese mit witzigen Songtexten. Schnell werden die ersten Fans auf Händen in Richtung Band getragen.
www.jbo.de/
The Black Dahlia Murder aus Detroit benannt nach dem ungeklärten Mord an Elisabeth Short, die in Los Angeles im Jahr 1947 ermordet, zerstückelt und mit dem sogenannten „Glasgow Smile“ versehen aufgefunden wurde. Man könnte auch die Schublade „Amerikaner und ihre Mörder“ aufreißen und aus dem vollem Schöpfen (ja, der Schreiberling findet solche Geschichten durchaus spannend). Aber zurück zur Musik. Die Jungs von The Black Dahlia Murder entzünden auf der Black Stage ein schieres Feuerwerk. Mit viel Power und Spielfreude und einem hin und her flitzenden Sänger Trevor Strnad bestreiten sie ihr Set. Die verschiedenen Tonarten in jedem Song fasziniert und schnell wippen die Köpfe im Takt.
www.metalblade.com/bdm/
Irgendwie komisch, wie schnell doch so ein Tag mit wunderbarer Musik, einer chillig friedlichen Stimmung im Kreise von Freunden dem Ende zuneigt. In der Abenddämmerung heißt es nun die letzte Band auf der Outdoor Bühne zu begrüßen. Die Messlatte vom ersten Tag hängt bereits ziemlich hoch und so versuchen Die Apokalyptischen Reiten nun diese etwas höher zu legen für den dritten Tag des Rock im Betonwerks. Die dichtgedrängten Fans am Wellenbrecher schmelzen zu einem großen Klumpen aus Haaren, Händen und einem gemeinsamen Ton als D.A.R. die Bühne betreten. „Fuchs“ uns seine Mannen haben Metalbach im festen Griff, wie es sich für einen wahren Headliner auch gehört. Der Charme versprühende Sänger oder der peitschenschwingende Dr. Pest
entfachen anfangs das Feuer im Publikum vollends. Schnell sind die Security Leute im Fotograben mehr als ausgelastet. In der Dämmerung des Abends und im Scheinwerferlicht schrauben sich die Fans des Crowdsurfens nach oben, lassen sich von den fleißigen Helfern im Graben in selbigen ziehen, feiern sich und die Welt kurz, um erneut nach hinten zu rennen und sich wieder auf die tragenden Hände zu legen. Ein nicht enden wollender Kreislauf. Ein augenfesselndes und ablenkendes Spektakel. Trotz der grandiosen Stimmung und den vielen glücklichen Gesichtern wird die Messlatte an diesem zweiten Tag auf der Hauptbühne – m. E. – nicht höher gehängt. Dafür ist die sympathische Spontanität von Sabaton einfach noch zu frisch im Gedächtnis.
www.reitermania.de/
Traditionell werden im März die Felder bestellt, die Saat in die frische Erde betreut. Sprich, einen Menge harte Arbeit steht im März an. Diese Tatsache haben die Maerzfelder in ihren Namen einfließen lassen. Ihre fetten Beats sind bestückt mit treibenden Gitarrenriffs und der nötigen Härte. Der erste Eindruck, dass hier auf der Bühne auch Klone von Rammstein stehen könnten, ist nicht ganz so weit hergeholt, denn auch als Coverband der bekanntesten deutschsprachigen Band sind sie auf den Brettern dieser Welt unterwegs. Auch im Gesichtsausdruck und im Bewegungsablauf verfällt Sänger Heli immer wieder in das bekannte Muster von Till. Die doch sehr gelungen Stücke vom ersten Album „Tief“ könnten aber auch ohne diese Assoziation sehr gut bestehen.
www.maerzfeld.de/
Und so endet der zweite Tag bei dem ultimativen Backstagebarkeeper Enrico und mit dem Ausblick auf Verschlussklappen von Schnappsfläschchen in diversen Gesichtern.
Freitag, 10. August 2012
Metal Stage (Outdoor)
14:00 – 14:30 Uhr: Origin of Zed
15:10 – 15:40 Uhr: Ingrimm
16:25 – 17:10 Uhr: Cripper
17:55 – 18:30 Uhr: Bullet Monks
19:10 – 20:10 Uhr: Saltatio Mortis
21:00 – 22:00 Uhr: J.B.O.
23:00 – 00:00 Uhr: Die Apokalyptischen Reiter
Black Stage (Indoor)
14:30 – 15:00 Uhr: Narph
15:45 – 16:20 Uhr: Prank
17:15 – 17:50 Uhr: Dawn of Fate
18:05 – 18:40 Uhr. Nebelsarg
20:15 – 20:55 Uhr: Grave
22:10 – 22:55 Uhr: The Black Dhalia Murder
00:00 – 00:45 Uhr: Endstille
01:05 – 01:45 Uhr: Maerzfeld
02:00 – 02:45 Uhr: Nachtblut
Bericht & Bilder: Dani
Letzte Einträge
- Damians Tintenher(t)z – Corvus Corax – Sverker (DVD/CD) – Rezension
- CD-Review: Suidakra – Eternal Defiance
- CD-Review: Cardillac Complex – Forgotten Reasons
- CD-Review: SACRED GATE – Tides of War
- CD-Review: Vroudenspil – Pulverdampf
- CD-Review: D-A-D – Dic.Nii.Lan.Daft.Erd.Ark
- ABBY – Friends and Enemies
- CORVUS CORAX meets WADOKYO – Live-DVD gemeinsam mit den Fans erfolgreich umgesetzt
- Unzucht und Lord of the Lost rocken die Bochumer Matrix
- Schmuddel’s Warentest: MoTec Akku für Samsung & Gewinnspiel


















