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Festivalsommer 2013: Castle Rock 14 – Tag 2

19. Juli 2013 - LaberPlanet vs. RockBlog, Musik & Co.

Eine grandios atmosphärische Rockparty geht weiter! – Castle Rock Tag 2

Und weiter geht es mit Samstag, dem 13. Juli 2013 – Mülheim an der Ruhr, Schloss Broich.

Zwar sind noch längst nicht alle wach und angekommen, doch was gibt es besseres als Start in den Tag (neben Kaffee) als kraftvoll dynamische Neue Deutsche Härte Klänge in voller Power? Die sechs Musiker von Maerzfeld, die schon mit Stahlmann auf Tour waren, nehmen keine Rücksicht auf etwaige Kater und andere Übernächtigungserscheinungen und legen direkt los. Ihre Show rockt und weckt auf – genau der richtige Opener für diesen zweiten Tag. Die an Industrial erinnernden Klänge werden von Sänger Heli Reißenweber (dem Mann mit dem Charisma des Sängers von Rammstein, als deren Coverband Stahlzeit sich die fünf Musiker bislang einen Namen gemacht haben) voller Energie vorgetragen, sei es bei ‚Virus (der Gast)’, ‚Hübschlerin’ oder ‚Ich flieg’. Dank tatkräftiger Unterstützung von Matthias Sitzmann an der Gitarre, Bora Öksüz am Bass, Thilo Weber am Keyboard und Michael Frischbier hinter dem Schlagzeug wummern sowohl schnelle Songs wie ‚Erleuchtung’ als auch das balladigere ‚Lass ab’. Mit ‚Der schwarze Mann’ und viel Energie verabschieden sich Maerzfeld von der Bühne und werden mit viel Applaus verabschiedet.


Stimmgewaltig und hart geht es weiter mit den Lederhosentragenden Jungs von Darkseed. Die urgesteiner Gothic Metal Band gibt es noch! Und sie zeigen allen, dass sie auch noch lange nicht abgeschrieben sind. Seit 2012 mit neuem Sänger unterwegs, beweist Mike Schmutzer, dass er die Bühne des Castle Rocks rocken kann – hier gibt es keine Mittagsruhe. Astronomisch schnelle Gitarrenklänge aus München lassen auch Sänger Mike heiß werden, so dass er den Auftritt nur noch in Lederhosen fortsetzt und sich als ‚King the Sun’ passend zum Wetter feiern lässt. Auch neue Songs wie ‚Phantom of Darkness’ finden sich auf der Setlist von Darkseed aka Tom Gilcher und Thomas Hermann an den Gitarren, Michael Behnke am Bass und Maurizio Guolo an den Drums. Mit ‚Sleep sleep sweetheart’ verabschieden sich die fünf Musiker aus dem Süden vom Castle Rock.

Nach 2009 zum zweiten Mal da sind auch Beloved Enemy. Die Goth Metaller mit ihrem amerikanischen Frontman Ski-King betreten bei strahlendem Sonnenschein als nächstes die Bühne. „Thank you Motherfucker“ erschallt es aus den Boxen und dann geht es unter großem Jubel los! Der Rhythmus von Peter Kafka und Chai Deveraux an den Gitarren, Eddy am Bass und Martin „Dog“ Kessler an den Drums geht sofort durch und durch und so gibt es auch laute Buhrufe, als Sänger Ski verkündet, dass dies ihr letztes Konzert sei. Das Mülheimer Publikum will mehr! Bei diesem Stimmorgan muss jeder aufmerken und angeführt vom Basser Eddy fliegen im Publikum so manche langen Matten. Beloved Enemy tut gern den Gefallen und findet immer noch einen Ticken schnelleren Song. Unverändert bleibt die Lautstärke und die Stimmgewalt von Sänger Ski, der es sogar schafft die beiden bisherigen Frontmänner in den Schatten zu stellen etwa mit ‚Enemy mine’. So werden sie denn auch nicht ohne Zugabe von der Bühne gelassen, obwohl man den Moment etwas melancholisch hinauszögern möchte, war es doch kein Gag, sondern traurige Tatsache, dass Beloved Enemy nach diesem Gig getrennte Wege gehen werden. Danke für diesen Abschiedsgig und an dieser Stelle den Musikern der Band alles Gute für ihren weiteren musikalischen Werdegang.

Überpünktlich betreten drei silbrige Männer die Bühne als nächstes und legen los mit den ersten Takten von ‚Willkommen’. „Herzlich willkommen in der Dunkelheit!“, brüllt Frontmann Mart ins Mikro und betritt damit unter dem bislang größten Jubelstürmen die Bühne. Ein prall gefüllter Burghof wippt jubelnd mit, ‚Adrenalin’ hat jeden erfasst. Auch bei ‚Stahlmann’ kommt jeder in Fahrt wie um zu bestätigen, warum dies hier eines von Sänger Marts liebstes Festival ist. Hier werden Hände im Takt bewegt, Schreikünste bewiesen und überhaupt haben die Stahlmänner das Castle Rock fest im Griff: neben Mart gibt es als Live Unterstützung Tobi an der Gitarre, AblaZ am Bass und Niklas Kahl am Schlagzeug. ‚Hass mich, lieb mich’, ‚Stahlwittchen’ und ‚Süchtig’ nehmen jeden für die Neue Deutsche Härte Band ein. Mit ‚Spring nicht’ gibt es sogar Frühsport (was denn so für jeden als früh gilt) und alles hüpft trotz praller Nachmittagssonne auf und ab. ‚Engel der Dunkelheit’ zahlt heute nicht nur Marts Miete, sondern begeistert auch das Mülheimer Publikum. Mit ‚Schwarz’ (ebenfalls vom letzten Album) und ‚Tanzmaschine’ beendet Stahlmann den grandiosen Auftritt.

Setlist:
1. Willkommen
2. Adrenalin
3. Stahlmann
4. Hass mich, lieb mich
5. Herzschlag
6. Teufel
7. Stahlwittchen
8. Süchtig
9. Spring nicht
10. Engel der Dunkelheit
11. Schwarz
12. Tanzmaschine

Es bleibt bei geschminkten Gesichtern, aber aus Silber wird ein bleiches Weiß: Megaherz betritt die Bühne des Castle Rock!
Sänger Alexander „Lex“ Wohnhaas erinnert optisch ein wenig an den Joker aus Batman und bleibt nicht das einzige optische Highlight – auch weibliche Unterstützung ist dabei beim Opener ‚Jagdzeit’. Auch ohne kurze Kleider feiert das Publikum kräftig weiter – keine Hand ruht etwa bei ‚Dein Herz schlägt’. Neben alten Songs wie ‚Beiß mich’ sind auch Stücke des neuen Albums ‚Götterdämmerung’ auf der Setlist vertreten, wie das erste Lied ‚Jagdzeit’ oder ‚Mann im Mond’, welche Christian „X-ti“ Bystron und Christoph ‚Chris’ Klinke an den Gitarren, Werner ‚Wenz’ Weninger am Bass und Jürgen ‚Bam Bam’ Wiehler für das Mülheimer Publikum spielen. Da Megaherz ja schon eine Weile unterwegs ist, sind viele der älteren Songs bekannt und gewünscht: besonders eifrig mitgesungen wird bei dem fast schon Klassiker ‚Miststück’ (immerhin von 1998 auf dem Album ‚Kopfschuss’). Die alten Sachen kommen immer noch besser an als die neuen, insgesamt lieferte Megaherz aber eine gute Show und wird begeistert verabschiedet.


Ohne langes Intro oder Warten legen als nächstes End of Green auf der Bühne los. Das heißt es wird rockig! Ist das 1992 gegründete Quintett doch dem Dark Rock zuzurechnen. ‚Highway 69’ eröffnet ihren Gig, der vielversprechend beginnt, leider jedoch schnell einer technischen Panne zum Opfer fällt: im zweiten Song ist plötzlich der Strom weg, ein einsames akustisches Schlagzeug erklingt noch, was das Publikum belustigt mit Zugaberufen quittiert. Sänger Michelle Darkness, die beiden Gitarristen Sad Sir und Kirk Kerker sowie Bassist Hampez nehmen es gelassen, lassen Lusiffer hinter der Schießbude noch ein wenig trommeln und nutzen die Unterbrechung zur Raucherpause. Nach so einer coolen Handhabung der Situation ist der Jubel groß, als es weitergeht. Diese Musik verbreitet einfach gute Laune! Egal ob sie richtig rocken oder es bei Stücken wie ‚Tie me a rope … while you’re calling my name’ etwas ruhiger wird, es bleibt rockig und begeistert das Castle Rock Publikum. Auch wenn sich beim ein oder anderen die Spuren eines sonnigen Tages voller Bier zeigen, so gehört dies doch zu einem Festival dazu und End of Green werden bis zum Ende bejubelt und beklatscht.

Es geht zum Headliner des Festivals! Leider musste Wintersun absagen, aber als Ersatz konnten die Finnen von Korpiklaani gewonnen werden! Mit Geige und Akkordeon im Gepäck erklingen völlig neue Töne in Schloss Broich an diesem Samstag. Folk Metal ist vielleicht das, was man eher am Burgfolk erwarten dürfte (dort waren Korpiklaani auch bereits mehrmals zu bewundern) und nicht zum Castle Rock, aber einen abgesagten Headliner kurz vor knapp zu ersetzen ist für die Organisatoren sicher schwierig genug – also Hut ab!

Auch wenn es den Anschein hat, dass nicht jeder es bis zur späten Stunde geschafft hat, feiern die Fans ausgelassen mit und haben mit der Band von Anfang an viel Spaß. Das muntere Gefiedel der Geige lädt zum Tanz ein und bei „Lala Lalaley“ kann selbst der Betrunkenste noch mit einstimmen und mitgrölen. Das Castle Rock entwickelt sich immer mehr zu einer ausgelassenen Party, bei der die ersten Reihen durchgehend tanzen und jeder die letzten Reserven nach einem langen und guten Tag zusammenkratzt. Sänger Jonne Järvelä macht es auf der Bühne vor und hüpft ausgelassen über die Bretter während er die Menge mit ‚Tequila’ anheizt. Heute scheint die Location auch wirklich alles aus jedem einzelnen Sänger herauszukitzeln: Jonne singt sich die Seele aus dem Leib und lässt die langen Dreads kreisen ohne Rücksicht auf Verluste. So viel Energie reißt auch das Publikum mit. Es wird keine Rücksicht genommen auf enge Korsagen und ausgetüftelte Kostümierungen – hier fliegen die Haare, hier wird getanzt. Wer es etwas ruhiger angehen lässt, der genießt die Bühnenshow, die ohne zusätzliche Elemente auskommt, allein die sechs Finnen sind kurios genug. Slash von Guns ’n’ Roses scheint mit blond gefärbter Matte Gitarre zu spielen (es ist aber Kalle „Cane“ Savijärvi) und der Bart von Bassist Jarkko Aaltonen würde ihn auch qualifizieren als Nikolaus zu arbeiten, falls es mit der Musik mal nicht mehr so läuft. Dreh- und Angelpunkt bleibt aber Energiebündel Jonne: er ist auf der Bühne zuhaus wie er etwa bei ‚Viima’ beweist, überlässt diese jedoch auch bereitwillig Tuomas Rounakari für ein Geigensolo, welches begeistert beklatscht wird. Selbst instrumentale Parts, komplettiert durch Drummer Matti „Matson“ Johansson und Akkordeonspieler Sami Perttula, bringen das Publikum bis an den Rand der Raserei, überall werden wilde Kreistänze aufgeführt. (Welch ein Kontrast zum letzten Jahr, wo der Headliner auch gleich aufs Schlafengehen vorbereitete!) Schlafen wird hier niemand, eher vor Erschöpfung direkt umkippen. Je wilder die Tänze, desto lauter wird auch der Jubel – Jonne könnte selbst Tote wieder zum Tanzen bringen und hat nicht vor jemanden vor Ende des Sets gehen zu lassen. So gibt es denn auch ordentlich Zugaberufe, und Korpiklaani lassen sich nicht lange bitten. Und welche coole Sau kann bitte schon eine halbe Zugabe mit Bierflasche auf dem Kopf spielen! Da gibt es ordentlich Applaus, bevor der Abend nach einem Dank der Band zu Ende geht.


Ein kurzes Fazit zum Schluss: Es war auch in diesem Jahr ein rundum gelungenes Festival, welches sich nicht nur durch sein durchgängig exzellentes Lineup ausgezeichnet hat, sondern auch das Drumherum war wieder toll. Nicht nur die Bands fanden lobende Worte zu Atmosphäre, Location und Backstageservice, auch für die Besucher hat es rundum Spaß gemacht und war ein tolles Wochenende. Friedliche Atmosphäre, keine nennenswerten Verzögerungen oder technische Pannen, dazu sehr erschwingliche Festivalshirts, die dieses Jahr mit einem besonders tollen Design aufwarten konnten – es war alles klasse! Danke Castle Rock  (Michael Bohnes) und wir freuen uns bereits aufs nächste Jahr.

Bericht: Emma
Pics: Schmuddel

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