Dani’s RockBlog: Nocturnal Culture Night – Day Three
Auch am dritten und letzten Tag des NCN Festivals 2011 verspricht der sonnige Morgen wieder, dass schnell sämtliche Schattenplätze belagert und die Luft leicht nach Sonnencreme duften wird. Vor uns liegt ein Tag mit Bands wie Blind Passenger, Staubkind, Krypteria, Fixmer/McCarthy, DAF und dem Headliner VNV Nation.
Noch nicht ganz wach und daher etwas hinter der geplanten Ankunftszeit ist die erste Band an diesem Tag für mich nova-spes. Die aus Deutschland stammende Synthie-Pop / Future-Band um Matthias Hübner (Komponist, Sänger) und den Keyboardern Steffen Pöhler und Peter Walten wurde bereits im Jahr 1999 gegründet, aber schon mit dem Betreten der Bühne wird klar, dass die Musiker sich eher unsicher, wenn nicht sogar unwohl fühlen. So mag es nicht verwundern, dass auch die Stimmung vor der Bühne nicht so recht aufkommen mag.
Auf der großen Bühne empfangen mich nun die Electro Pop Formation Future Trail. Ihre gradlinigen Beats werden untermalt von einer kräftigen, aber auch auf die gesamte Spielzeit bezogen, monotonen Stimme der Sängerin MEL. Denn noch gelingt es Future Trail, dass die ersten Besucher aus ihren Schattenplätzen kriechen und vor der Bühne ihre müden Glieder auf Betriebstemperatur bringen.
Schöngeist – nun auf der kleinen Bühne – vereinen musikalisch rockige mit orientalische Klängen und pressen dies ein Gothic/Elektro/Rock-Gewand, welches genauso bunt ist wie der Orient selbst. Der aus München stammende Timur Karakus konnte für seinen zweiten Longplayer keinen geringeren als Gast-Songwriter gewinnen als Eisbrecher-Frontsau Alexx Wesselsky. Die deutschen Texte weisen geschickt und teilweise verspielt auf die Missstände in der modernen Gesellschaft hin. Die jungen Musiker sind sichtlich erfreut und erleichtert, dass zu dieser frühen Mittagsstunde doch sehr viele den Weg zu ihnen gefunden haben und rocken und wirbeln ordentlich drauf los. Mit ihrem Clubhit „Sonne der Nacht“ schließen sie ihr Set und lassen erfreute Gesichter zurück.
Man nehme eine erforlgreiche Band namens Blind Passangers, die sich 2005 auflöste, streiche ein S im Namen sowie ein Gründungsmitglied und eröffne eine neue Band namens Blind Passanger. So oder so ähnlich mag der Entstehungsprozess der nun folgenden SiFi-Synthpop Formation von statten gegangen sein. Nik Page zelebriert diesen Auftritt mit einem anfänglichen Marsch durch das Publikum, angeführt von einer leicht bekleideten Stewardess aus der Zukunft und nimmt alle Besucher singend und tanzend auf seinem „Flight to Planat Earth“ mit. Ein sehr gelungener Auftritt, der mit sehr viel Beifall quittiert wird.
Mit einem kleinen Orchester wartet die Band Persephone auf, die sich dem Genre Neoklassik zurechnet. Es ist ein Seitenprojekt der Sängerin Sonja Kraushofer von L’ame Immortelle, die Persephone mit Gitarrist Wim Leydes (ehem. Christian Death) und dem Cellisten Martim Höfert (ehem. Janus) im Jahr 2000 gründet und die mittlerweile auf vier Alben zurückblicken können. Das Zusammenspiel von tiefen Klängen und einer ausdrucksstarken Sonja Kraushofer, sowohl stimmlich als auch performancetechnisch, entführen jeden in die Geschichten über Schmerz und Freude. Ein Auftritt, der noch lange im Gedächtnis verweilen wird.
Zum Glück haben sich Krypteria im Jahr 2005 entschieden aus dem anfänglichen Musical-Projekt eine Rock-/Symphonic-Metal Band zu kreieren, denn ein wirklicher Musical Fan bin ich nun nicht. Wie am Vortag schleicht sich der Gedanke „endlich wieder Gitarren“ in meinen Kopf. Krypteria können bereits auf einige Erfolge zurückblicken. So wurde ihr Song „Liberatio“ als Hintergrundmusik zum Spendenaufruf der Flutkatastrophe 2004 gewählt, die Einnahmen der darauf erscheinenden Singleauskopplung wurden ebenfalls gespendet. Auch dem Fußball scheinen sie zu lieben. Dieses Jahr steuerten sie anlässlich der Deutschen Meisterschaft von Borussia Dortmund eine Meisterhymne bei und im Jahr 2006 den Song „Na Ga Ja“ als Supporterhymne für die Koreanische Fußballmannschaft. Sängerin Ji-In Cho im schwarzen Lederoutfit verzaubert mit ihrer rockig rotzigen Stimme sowie mit ihrer unbändigen Energie, was angesichts der gleißenden Sonne doch nicht unbedingt selbstverständlich ist. Diese Energie, die rockigen Riffs und die melancholischen Texte werden vom Publikum aufgesogen und der Band wieder entgegen gebracht.
Setlist:
My Fatal Kiss
Sweet Revenge
Messiah
Somebody save me
Scream
Out of tears
The promise
As I slowly bleed
The night all angels cry
You killed me
fly away with me
Live to fight another day
Ignition
Shoot me
Outro
Dicht gedrängt stehen die Leute bereits vor der kleinen Bühne, um die Band Staubkind in Empfang zu nehmen. Es ist eindeutig: sie wären besser auf der großen Bühne aufgehoben gewesen. Staubkind wurde 2003 von Louis Manke gegründet, der von Rico Meerheim (Gitarre), Friedel Mäthger (Schlagzeug) und Sebastian Scheibe (E-Bass) unterstützt wird. 2007 erschien ihr letztes Album „Zu weit“, aber dies soll sich in naher Zukunft ändern. Mit „Fang dir deine Träume“ endet das Intro und die rockigen Gitarrenklänge setzen ein. Mit viel Witz und einem „Hallo Bochum“ lockert Louis gekonnt oder unbeabsichtigt die Stimmung vor der Bühne auf, die auch direkt hoch kocht. Mit „Gnadenlos“ und „Meine Lügen“ präsentieren Staubkind zwei neue wunderschöne Stücke, die sofort großen Anklang finden und gefeiert werden.
Setlist:
Intro
Halt mich
Viel mehr
Keine Sonne
Gnadenlos
Zu weit![]()
Königin
Wunderschön
Meine Lügen
Schlaflied
Ein Traum
Mein Herz
Ohne dich
Die Deutsch Amerikanische Freundschaft, auch kurz DAF genannt, verwöhnen ihre Fans seit 1978 mit elektronischen Klängen und gelten als die einflussreichsten deutschsprachigen Elektro Bands. Kurzfristig gingen Robert Görl (Schlagzeug, Elektronik) und Gabi Delgado-López (Gesang) getrennte Wege, aber 1986 rauften sie sich wieder zusammen und beglücken uns weiterhin mit ihrer Musik. Trotz minimaler Bühnenshow reißen sie die Menge nun von den Stühlen. Viele gehen bei den Songs richtig ab und feiern und gröhlen und tanzen ausgelassen in der untergehenden Sonne.
Setlist:
Verschwende deine Jugend
Ich und die Wirklichkeit
Der Mussolini
Ich will
Muskel
Die Lippe
Mein Herz macht bum
Algorithmus
Rote Lippen
Liebeszimmer
Du bist DAF
Sato Sato
Alle gegen alle
Nachtarbeit
Der Sheriff
Die Lüge
Als wär’s das letzte Mal
Der Räuber und der Prinz
Kebapträume
Was Anfragen für Remixe alles erschaffen können, zeigen Fixmer/McCarthy. Der französische Techno-Produzent Terence Fixmer wurde 2002 gefragt, ob er einen Nitzer Ebb Song remixen könnte. Aus diesem Kontakt mit Douglas McCarthy entstand dann dieses neue Musikprojekt. Viel Nebel und ein Frontmann mit verspiegelter Fliegerbrille verheißen, auch bei den noch heißen Temperaturen, einen coolen Auftritt. Die kräftigen und anheizenden EBM-Beats gehen direkt ins Blut und lassen sämtliche Tanzbeine aufstampfen. Das engstehende, tanzende, feiernde und singende Publikum geht direkt mit. Ein sehr gelungener Abschluss auf der kleinen Bühne.
Setlist:
Banging down your door
Pistol Whipper
Through a screen
I run
Trans European
And the finally![]()
Blood and Music
Destroy
Look to me
Like Voodoo
You want it
Freefall
Keine geringere Band als VNV Nation sollte nun das wunderbare NCN Festival 2011 musikalisch beenden. So langsam schlecht sich der Gedanke „soll es wirklich jetzt schon enden?“ in meinem Kopf. Irgendwie ging es doch viel zu schnell vorbei. Aber jetzt sollte keine Zeit für Wehmut sein. Denn VNV Nation schaffen es wie keine zweite Band den Spaß auf der Bühne in die Menge zu transportieren. Die englisch-irische Erfolgsgeschichte legte ihre Grundsteine im Jahr 1990 und begann mit einer Vermischung aus tanzbaren elektronischen Rhytmen mit Elementen der Popmusik und des Techno-Trance sowie orchestralen Einflüssen. Ihre Texte setzen sich sich sowohl mit gesellschaftlichen Fragen als auch mit persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen auseinander, die in einem futuristischem Kontext stehen. Die ersten Rufe sind bereits vor Erscheinen der Band zu hören und entbranden vollends als VNV Nation die Bühne betreten. Mit einem älterem Stück namens „Joy“ eröffnen sie ihr Set. Immer wieder spornt Ronan Harris die Meute vor der Bühne an und die vollbesetzten Reihen im Amphitheater nehmen dies gehorsam an. Bald hat man den Eindruck als wäre die Menschen ein verknoteter Tanzknäul. Selbst die Fotografen werden mit „nicht fotografieren, TANZ“ aufgefordert ausgelassen mitzumachen. Ronan Harris verwöhnt uns neben seinen älteren und großartigen Stücken auch mit neuen Werken (Space and Time, Control und Nova) und sein Publikum dankt es ihm. VNV Nation schließen ihr Set mit Perpetual, der noch lange von jedem einzelnem mitgesungen wird.
Setlist:
Joy
Tomorrow never comes
Testament
Darkangel
Further
Space and Time
Chrome
Illusion
Standing
Farthest Star
Control
Epicentre
Solitary
Beloved
Nova
Perpetual
Als Fazit dieser drei wundervollen Tage kann man eigentlich nur eins sagen: Kommt und erlebt, empfindet und genießt es selber, so wie ich diese paar Tage getan habe…
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Dezember 21st, 2011 at 14:09
Gut geschrieben und sehr ausführlich. Eines stimmt nur nicht ganz…
Wir haben uns pudelwohl gefühlt und es hat uns auch richtig Spaß gemacht
NOVA-SPES