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Damians Tintenher(t)z – OMNIA – Live on Earth (CD) – Rezension

26. Oktober 2012 - CD / DVD Review, Damian's Tintenher(t)z, LaberPlanet vs. RockBlog

OmniaKünstler: OMNIA
Release: Live on Earth (CD)
VÖ: 12. Oktober 2012
Label: Banshee Records (Alive)

„Die Natur muß gefühlt werden.“

Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt (1769-1859)

Es gibt nicht viele Bands, die von sich behaupten können, ein Genre entscheidend mitgeprägt zu haben. Dies gilt auch für den Bereich des „Pagan-Folk“. Hier findet man einen Stilmix aus klassischem Folk und zumeist elektronischer Musik vor, der textlich oft auf alten Schriften und Sagen aus den früheren Tagen der Menschheitsgeschichte aller Kulturen basiert und mit mittelalterlichen Instrumenten und einer Perkussionunterstützung dar gebracht wird. Faun wäre der bekannteste und erfolgreichste Vertreter aus Deutschland beispielsweise, Valravn aus Dänemark, The Moon and the Nightspirit aus Ungarn, Hedningarna aus Schweden oder eben Omnia aus den angrenzenden Niederlanden. So verschiedenartig die Nationen ihrer Herkunft, so vereint ist man jedoch im freiheitlichen Denken und bewussten und behutsamen Umgang mit unserer Natur und ihren Gaben. Jene im OmniaPagan-Folk beheimateten Bands teilen zusammen mit ihren Fans nicht nur gemeinsame Konzerterlebnisse, sie feiern gemeinsam ein Fest mit dem Menschen und der Natur im Mittelpunkt. Sie geben sich dem „Menschsein“ hin, reisen durch visuelle und musikalische Traumlandschaften. Wer Teil einer derartig offenen Lebensfreude ist, wird zu einem Teil einer großen Gemeinschaft, eines großen zusammenfügenden Gedankens.

Mit „Live on Earth“ schenkt uns nun OMNIA ein solch intensives Konzerterlebnis für das heimische Wohnzimmer.

Das Intro führt uns behutsam und sanft auf eine 18 Tracks lang andauernde Reise durch fremdartige, musikalische Welten verschiedenster Kulturen. Doch egal welche Sprachen sie auch verwenden, egal welche Instrumente benutzt werden, stets treffen OMNIA den inneren, eigenen seelischen Ton. Man wird berührt von der Musik und das nicht nur akustisch. Es ist wie beim Glas, das durch den richtig getroffenen Klang anfängt zu schwingen. Die Musik auf „Live on Earth“ öffnet den Hörer, man beginnt in sich zu horchen. Die Reise in eine andere Welt anzutreten, deren Ausgang und Ergebnis unbekannt sind, auf der man sich jedoch nie alleine gelassen fühlt. Die intensive Stimmung erfährt all jene Höhen und bedrohlichen Tiefen und hinterlässt einen bleibenden Eindruck, der durch die begeisternde Stimmung der eingefangenen Fans noch wesentlich verstärkt wird. Trotz dieses kalten, technologischen Mediums einer CD, trotz der schon lang zurückliegenden „I don’t speak Human!“-Clubtour, auf der diese Liveaufnahmen eingefangen wurden, wird die Vergangenheit zum Augenblick, die Gegenwart zum Wimpernschlag. Man ist unter den enthusiastischen Menschen, mitten im Kreis zwischen Band und Fans, teilt die Musik und ihre emotionale Kraft.

OmniaDie niederländische fünfköpfige Formation webt dabei den Faden durch 15 Jahre Bandgeschichte. Alle großen Klassiker sind vertreten, teilweise in völlig neuen, mitreißenden Versionen. Mal klingt es gar rockig. Dann hört man wieder die akustischen Instrumente stärker raus und es wird intensiver, bewusst altertümlicher. Die große und reichhaltige Schaffenszeit wird auf diesem Live-Album eindrucksvoll und variabel vorgestellt. So eignet sich dieses Werk auch nicht nur für langjährige Fans, sondern auch für Menschen die OMNIA gerade erst für sich entdeckt haben. Egal ob jung oder alt, Mann oder Frau, man fühlt sich in „Live on Earth“ hineingezogen, ist wie gebannt und wird aufs Beste in jeder Note unterhalten. Der musikalische Fundus von OMNIA ist derartig vielschichtig und wechselhaft, das auf diesem Album für jeden Hörer etwas dabei ist. Langsame Stücke folgen den schnelleren, intensiveren Liedern. Rockige Songs folgen dem musikalischen Erbstücken von Kulturen aus aller Welt. Egal ob Harfe, Drehleier, Gitarre, Piano oder Didgeridoo, Hackbrett, Maultrommel oder Flöten, so reichhaltig wie die Liedauswahl ist sind auch die Instrumente, die OMNIA perfekt beherrscht und mit denen sie in den vielen Jahren ihrer Geschichte immer wieder neue, noch höhere Maßstäbe gesetzt haben. Sic, Jenny, Philip, Daphyd und Rob werden eins mit ihren Instrumenten. Die künstlerische Umsetzung und das ineinandergreifende Miteinander des musikalischen Rüstzeugs sucht seinesgleichen und beweist die Ausnahmestellung von unseren niederländischen Nachbarn.

Reflexion des Albums:

Schon In Extremo sangen „Es ist nicht alles Gold was glänzt“.
Im Umkehrschluß ergibt das aber auch die logische Folgerung, das eben besonders wertvolle (Gold-) Sachen manchmal nicht derartig glänzen, bzw. auffallen müssen.
Positives Aufsehen erregt man durch sein überzeugendes Talent, das professionelle Können und die dadurch zu recht erworbene Ausnahmestellung. Auch die stillen, sanfteren, musikalischen Wesen und friedliebenden Freigeister können durch ihre einzigartige Besonderheit und ihre berührende Seele glänzen. Nicht nur der Tritt in den Allerwertesten ist entscheidend, das mit „der Tür ins Haus fallen“, sondern auch die musikalischen Phänomene abseits jener Brachialgewalt.
Genau so etwas finden wir hier bei OMNIAS „Live on Earth“ vor.

OmniaRuhig und fesselnd nimmt das Album den Hörer gebannt gefangen, aber es ist eine Gefangenschaft in die wir uns gerne begeben und ein musikalischer Bann der bis zum letzten verklungenen Ton anhält. Die traumhafte Reise beginnt bereits im Intro und führt uns über die vielschichtigen Stationen von 15 Jahren Bandgeschichte durch das Beste was OMNIA erschaffen hat. Man könnte fast von einem Live-Best-of-Album sprechen, wobei das natürlich stets eine sehr persönliche Empfindung ist. Die Art und Weise ihrer Stilmittel, die Instrumentenbeherrschung und nicht zuletzt die intensive, charismatische Ausstrahlung von OMNIA, machen dieses Album zu einem ganz besonderem eingefangenen Zeitmoment, den man in dieser Form immer und immer wieder zu Hause genießen kann.
Omnias „Live on Earth“ ist dadurch tatsächlich ein ganz besonderes, obwohl unscheinbares, (Gold-) Stück.

Songliste:

01. Live Show Intro (Live)
02. Tine Bealtaine (Live)
03. Auta Luonto (Live)
04. The Sheenearlahi Set (Live)
05. Niiv (Live)
06. Free (Live)
07. Toys In The Attic (Live)
08. I Don’t Speak Human (Live)
09. Alive! (Live)
10. Wytches Brew (Live)
11. Richard Parker’s Fancy (Live)
12. Dance Until We Die (Live)
13. Love In The Forest (Live)
14. Noodle The Poodle
15. Saltatio Vita (Live)
16. Etrezomp-Ni-Kelted (Live)
17. Fee Ra Huri (Live)
18. Morrigan (Live)

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