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Damians Tintenher(t)z – Diorama – Even the Devil Doesn’t Care (CD)- Rezension

18. Februar 2013 - CD / DVD Review, Damian's Tintenher(t)z, LaberPlanet vs. RockBlog

DioramaKünstler: Diorama
Release: Even the Devil Doesn’t Care (CD)
VÖ: 25. Januar 2013
Label: Accession Records

Soundtrack einer Jahreszeit

Blickt man momentan hinaus in dieses fremderscheinende Land aus Kälte und Eis, verirrt man sich schnell in melancholische Welten, die einem Gefühls-Irrgarten gleich, das eigene Ich an den Realitäten des Lebens zweifeln lässt.
Der Schnee scheint der Welt seinen eigenen, einzigartigen Stempel aufzudrücken. Die Landschaften geben Rätsel auf, sind wie unter einer geheimnisvollen Decke verborgen und präsentieren sich völlig neu, wie in einer unbekannten, faszinierenden und steril anmutenden Zwischenwelt. Das Auge wird hinters Licht geführt und genarrt, erscheint winzig und unbedeutend im Kontrast zur erbarmungslosen Gewaltigkeit dieser Tage.
Doch wo der eine Sinn langsam versagt, schärft sich umso mehr ein anderes Gespür. Und dieses Organ benötigt nun die passende Nahrung.

Wie gut, dass gerade das brandneue, achte Studioalbum von Diorama, der absoluten Ausnahmeband um Mastermind Torben Wendt, erschienen ist.
Even the Devil Doesn’t Care heißt es und hat sich für mich in kürzester Zeit zum Soundtrack dieser Jahreszeit entwickelt.
Tief melancholisch, vielschichtig, traurig und gleichzeitig doch so hoffnungsvoll, schafft die seit 1996 bestehende Band aus Reutlingen dem Januar eine ganz einzigartige musikalische, stimmungsvolle Note zu verleihen.
Natürlich schwebt über allem die Stimme von Torben Wendt.
Diese Weichheit, diese Traurigkeit, diese eindringliche und geheimnisvolle Anziehungskraft, die wie ein Schlüssel die große hölzerne und versperrte Tür zur eigenen Seele aufschließt und diesen besonderen Weg findet, um Zuhörer in den Bann zu ziehen und intensiv gefangenzuhalten, vom ersten bis zum letzten Ton des neuen Longplayers.

Diorama machen nicht nur Musik, sie erschaffen Klangwelten, musikalische Universen. Großartige, vertonte Landschaften, die dem Hörer mit jedem Lied neue und verborgene, zauberhafte Geschichten offenbaren. Mal kritisch, mal extrovertiert, mal melancholisch, aber auch genauso hoffnungsvoll und herzerwärmend, untermauern die Reutlinger mit dem neuen Album ihre Pole-Position in Sachen Kreativität innerhalb der Electro-Dark Wave-Landschaft.

Doch nicht nur das Ohr bekommt etwas geboten.
Mit einem interessanten Artwork, das die Landsberger Künstlerin Katharina Schellenberger in Zusammenarbeit mit der Band umgesetzt hat, entstand ein neuer, visueller Zugang zu Even the Devil Doesn’t Care. Ihre Malereien erscheinen wie Spiegelbilder der Songs und ihrer Texte.
So wird der Longplayer noch vielschichtiger und der Hörer bekommt neben den Klängen noch einen weiteren, zusätzlichen Weg geboten, um das gesamte Album für sich zu entdecken.

Diorama waren noch nie leicht verdaulich oder haben sich den Titel „Allerweltskost“ auf die Fahne geschrieben. Nein. Viel mehr wird man an die Hand genommen und behutsam auf einem Weg begleitet, der, wie man es von ihnen gewohnt ist, oft viele Abzweigungen anbietet und unzählige eigene Interpretationen und Geheimnisse für sich entdecken lässt. Diese Kreativität, diese unglaubliche Emotionalität, die in jedem der 12 Tracks dem Hörer unglaubliche Gesangsarrangements bietet, hat ein breites Spektrum an dem, was Diorama ausmacht, also fantastische Elektrosongs mit tanzbarem Rhythmus, eigenwillige Kompositionen, manchmal sogar ungewohnt rockige Wendungen, melancholische, aggressive Syntie-Pop/Dark Wave-Songs, die sich mal sanft, mal morbid, mal sarkastisch hervorragend ins elektronische Gesamtbild einfügen. Der musikalische Weg von Diorama wird konsequent von Torben Wendt , Felix Marc, Sash Fiddler und Markus Halter weitergegangen.

Mein persönlicher Favorit des Albums ist Hope. Mitreißend und intensiv, ohne dabei zu schnell zu sein, ohne zu aggressiv zu wirken, mit einem Refrain der unter die Haut geht, unterstützt von einer weiblichen, zweiten Stimme. Mit Weiß und Anthrazit befindet sich auch wieder ein deutschsprachiger Song auf dem Album. Gesellschaftskritisch und unbequem präsentiert sich hier Diorama frei nach dem Motto: „Weniger ist manchmal mehr“. Persönlich finde ich es immer sehr schade, dass Torben Wendt uns leider mit nur wenigen deutschsprachigen Songs verwöhnt. Gerade in diesen Momenten scheint seine Stimme eindringlicher und intensiver denn je.
Ich bin überzeugt, dass Diorama-Fans, genau wie ich, diesem Album in der nächsten Zeit nicht viel Pause im Player gönnen werden, denn alles was die Reutlinger zu einer Ausnahmeband gemacht hat, findet man auf Even the Devil Doesn’t Care wieder.

Genau wie die Landschaft dort draußen vorm Fenster, besticht das neue Diorama-Album einfach durch eine gewisse Zerbrechlichkeit, Reinheit und grausame Kälte, in der der warme und weiche Gesang von Torben Wendt, wie ein flackerndes und wärmendes Feuer in der Nacht, unseren Weg durch die eisige und grausame Welt geleitet.
Even the Devil Doesn’t Care ist in meinen Augen pure Emotion, ein Aufschrei in der gesichts- und konturlosen, musikalischen Winterlandschaft und damit mein persönlicher Soundtrack dieses Winters.

Tracklist

01. Maison du tigre
02. Hope
03. The scale
04. My favourite song
05. The expatriate
06. Summit
07. Weiß und Anthrazit
08. When we meet again in hell
09. The long way home from the party
10. Hellogoodbye
11. My justice for all
12. Over

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