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Damians Tintenher(t)z – Diary of Dreams – The Anatomy of Silence (CD) – Rezension

25. Oktober 2012 - CD / DVD Review, Damian's Tintenher(t)z, LaberPlanet vs. RockBlog

Diary of DreamsKünstler: Diary of Dreams
Release: The Anatomy of Silence (CD)
VÖ: 19. Oktober 2012
Label: Accession (Indigo)

„Das größte Verbrechen eines Musikers ist es, Noten zu spielen, statt Musik zu machen.“
Isaac Stern (*1920), amerik. Violinist russ. Herk.

Besitzen Lieder eine Seele, so besitzen sie eine Magie, ein eigenes Leben in sich. Musikalische Kostbarkeiten. Worte, die so klangvoll miteinander über eine Tonleiter verwoben sind, dass sie uns im Innersten erreichen. Und wenn unsere Augen die Fenster zur Seele sind, so scheinen unsere Ohren wohl ihr weit geöffnetes Eingangsportal zu sein. Manche Bands und Künstler/innen schaffen es in ihrer ganzen Karriere nicht auch nur ein einziges lebendiges Lied zu gebären. Stumme Songs die man heute hört und die morgen schon lange wieder aus unserem Kopf verschwunden sind. Totgeburten.

Andere Bands wiederum scheinen das unglaubliche Talent zu besitzen fast jedem Song Leben einhauchen zu können. Multikreative, musikalische Mindfreaks mit dem Schlüssel zu unserer Klang-Seelenkammer.
Diary of Dreams gehört sicherlich in diese bewundernswerte Kategorie.

Was die Herren um Mastermind und Frontmann Adrian Hates auch berühren, es scheint sich in etwas Besonderem zu verwandeln. Musikalische Könige Midas, deren künstlerische Muse eine echte Gabe und Begabung ist. Ich bin Adrian sehr dankbar das er diese Begabung jedoch als eine Bürde empfindet, als eine Verantwortung dem Hörer gegenüber erkannt hat. Würde er aus seinem reichhaltigen See der musikalischen Ideen mit vollen Händen schöpfen, verschwenderisch der Quantität einer Qualität den Vorzug geben, wären wir als Hörer und er als Künstler am Ende die Verlierer. Akribisch wird jedes Lied und jeder Ton behauen, bis es am Ende der Sicht und dem Empfinden des Künstlers entspricht. Jedes Wort wird farbenreich auf die Noten-Leinwand gemalt. Natürlich, manchmal bedeutet das eine harte Prüfung und Leidenszeit für den Fan, denn wenn durch den länger andauernden Reifeprozess immer und immer wieder Veröffentlichungen und Erscheinungstermine nach hinten verschoben werden, vergisst man oftmals warum eine Band wie Diary of Dreams dies macht, machen muss. Damit eben dieses Leben auf einem Album entsteht. Die Lieder geboren werden, die uns durchdringen und unser Innerstes berühren, mal liebevoll, mal traurig wehklagend.

Ganz besondere Songs haben jedoch noch ein weiteres ganz besonderes Merkmal, nämlich das Attribut der Wandlungsfähigkeit. Sei es eine Pianobegleitung, ein experimentelles Synthie-Sound-Geflecht, einen basserfüllten EBM-Rhythmus oder eine Big Band-Unterstützung. Er lebt einfach in jeder erdenklichen Art und Weise und schafft es durch alle Arten und Genres hindurch seine Lebendigkeit zu behalten. Gerade die musikalischen Werke von Diary of Dreams bieten sich für solche Klangexperimente an, drängen sich förmlich dafür auf.

Dessen ist sich auch Adrian Hates bewusst und hat solche besonderen Momente bereits mehrfach auf seinen Konzerten in akustischer Form umgesetzt und seine Lieder ein wenig neu eingekleidet und andersartig präsentiert. Seine wunderschöne Stimme, die wie geschaffen ist für eine Klavierbegleitung und nicht zuletzt das große, positive Feedback der Fans, dürfte dann den Ausschlag dafür gegeben haben, dieser Sammlung von Klangwelten ein eigenes Album zu widmen. Mit „The Anatomy of Silence“ präsentiert uns nun Diary of Dreams das Ergebnis.

10 Stücke voller wunderschöner, emotional fesselnder Umsetzungen einer Auswahl an Diary of Dreams-Liedern, darunter so Klassiker wie „Amok“ oder „Giftraum“, befinden sich auf dem Album. Durch die Verwandlung wirken die ehemals sehr experimentellen Songs nun eigenständig anders. Zu keiner Zeit hat man das Gefühl eines überarbeiteten Liedes, vielmehr scheint jeder Track exakt nur für diese akustische Umsetzung produziert worden zu sein. Auch das zeigt wie großartig die Lieder von Adrian und Co. sind. Mal erklingt tiefer Schwermut und es fühlt sich wie ein schwerer und trockener Rotwein an. Dann wiederum ergeben die Arrangements völlig neue Sichtweisen auf die bekannten Songfragmente. Der Bass und das Klavier greifen ineinander, umarmen und verweben sich zu teils düsteren, teils theatralischen Neukompositionen. Es ist fast logisch, dass eine solche Produktion wie „The Anatomy of Silence“ eine eigene Stimmung erzeugt, gerade richtig für die kalten Wintertage. Morbid und dunkel, aber auch wohlig warm und berauschend. „Immerdar“, eines der jüngeren Lieder von Diary of Dreams, ist fantastisch umgesetzt und erzeugt mit dem neuen Klang-Gewand eine unfassbar fesselnde Tiefe, die den Hörer in sein Innerstes zieht, ihn mit in eine andere Welt nimmt und eine magische Gänsehaut zurück lässt. Ebenso ist „Amok“ wunderschön neu umgesetzt und mit Unterstützung von Torben Wendt (Diorama) ein herausragendes Stück des Albums. Jeder Fan von Diary of Dreams wird sicherlich begeistert sein und sich schnell gedanklich auf den erlebten Konzerten wiederfinden. Die Emotionen wieder in sich spüren, die diese Lieder schon immer ausgelöst haben, aber eben in einer anderen Art und Weise. „The Anatomy of Silence“ ist ein Album das besonders für Kamin- und Winterabende wie prädestiniert erscheint, gerade richtig zur hereinbrechenden kalten und ungemütlichen, schwermütigen Jahreszeit.

Reflexion des Albums:

Die Stimmungen des Albums sind vielfältig und oftmals schwermütig. Das Piano und der Akustik-Bass, aber auch Schlagzeug, Akustik-Gitarre, Kontrabass und Cello erzeugen eine tiefe und morbide, teils bedrohlich wirkende Klangumgebung, die das Ego (X) zu einem Winzling schrumpfen lässt. Eine mächtige Lausch-Landschaft umgibt den inneren Geist und lässt ihn in einer Stimmung der Hilflosigkeit und Verwaistheit zurück. Ja, man wird in der Tat sehr klein und unwichtig beim Hören von „The Anatomy of Silence“, da die Instrumente sämtlichen Raum in einem selbst mit Klang erfüllen. Es ist wirklich beeindruckend was Diary of Dreams mit ihren eigentlich elektronischen Songs auf diesem Album im Kopf erschaffen. War ihre experimentelle musikalische Ausrichtung in der eigentlichen Klang-Form bereits ein überragendes Hörerlebnis, umgibt die Lieder nun die dunkle, todesgeschwängerte Aura eines Gemäldes von Breughel und beweist so den Ausnahmestatus von Diary of Dreams. Adrian Hates gibt seinen Liedern mit diesem Album nicht nur ein neues musikalisches Kleid, er haucht ihnen auch ein neues Leben ein. „The Anatomy of Silence“ ist dadurch eine Bereicherung in Diary of Dreams großem Spektrum und gleichzeitig eine eigene musikalische Spiegel-Landschaft lang bekannter Lieder in neuen und berauschenden Bildern. Es ist die Szenerie von kleinen, schlafenden Monstern, denen Adrian Hates akustische Verwandlung eine lebendige Andersartigkeit verleiht.

Zu guter Letzt beweist dieses Album vor allem eins:
Diary of Dreams lebt, vielfältiger als jemals zuvor.

Songliste:

01 – AmoK (feat. Torben Wendt)
02 – O’ Brother Sleep
03 – Butterfly: Dance!
04 – Giftraum
05 – Immerdar
06 – Malice
07 – Rumours about Angels
08 – She and her darkness
09 – She
10 – Traumtänzer

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