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Blackfield Festival, Tag 1

8. Juli 2013 - LaberPlanet vs. RockBlog, RockBlog

Regen macht nass und Sonne macht albern – Diese zwei Weisheiten dürften wohl einem Großteil der meist dunkel gekleideten Scharen, die am Freitag zum Amphitheater in Gelsenkirchen zum Blackfield Festival 2013 strömen, bekannt sein. Etwas mehr Sonne werden sich die meisten Besucher vermutlich dennoch wünschen, denn die grauen Wolken ziehen bereits bedrohlich auf, noch bevor die Band, die das Blackfield eröffnen wird, Full Contact69, auf der Bühne steht. Viele Zuschauer verziehen sich zunächst auf die Ränge des Amphitheaters und lauschen von dort aus, sicher versteckt unter Regenschirmen, den elektronischen Klängen von Full Contact69.

Ab und an zeigt sich die Sonne für wenige Minuten, was besonders die Festival-Gänger, die sich sichtlich viel Mühe mit ihren Outfits und dem Makeup gegeben haben, freuen dürfte, doch leider dominieren kühler Wind und stetig leichter Regenfall.
Als dann aber mit den wie gewohnt höchst stilvollen Herren von Coppelius ein Hauch viktorianischen Flairs verbreitet wird, kann es so Einige nicht mehr auf den Sitzplätzen halten und eine ansehnliche Gruppe gespannter Zuschauer versammelt sich vor der Bühne.
Skurril, humorvoll (aber stets mit todernsten Mienen) und vor allem unterhaltsam gestalten Coppelius ihr Programm und lassen sicherlich so Manchen das unerfreuliche Wetter vorerst vergessen.

Ohne allzu lange Wartezeit geht es anschließend weiter mit dem schwedischen EBM-Duo Spetsnaz. Im Gegensatz zur üppigen Show von Coppelius kommen dem Betrachter Spetsnaz mit nur einem Elektroschlagzeug auf der Bühne nahezu minimalistisch vor, doch schnell wird deutlich, dass Sänger Pontus allein durch seine ausdrucksstarke Mimik zu überzeugen weiß. Viel geredet wird nicht, immerhin ist die Spielzeit recht knapp bemessen, doch das Publikum fühlt sich sichtlich unterhalten – bei der kraftvollen Stimme und den rhythmischen Beats tauen die ersten Besucher auf und lassen sich zum Tanzen hinreißen.

Mit der deutschen Gruppe In Strict Confidence bleibt es elektronisch und tanzbar. Man möchte gern behaupten, natürlich hauptsächlich auf die Musik geachtet zu haben, doch es lässt sich nicht leugnen, dass der Blick immer wieder zu der Gitarristin Haydee Sparks und der Verantwortlichen für den weiblichen Gesang, Nina de Lianin, wandert. Beide Frauen stehen neben ihren musikalischen Tätigkeiten auch gern mal als Models vor der Kamera und so ist es keine Überraschung, dass sie wohl die größte Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Trotz dieser optischen Ablenkung schafft Sänger Dennis es mit seiner ausdrucksstarken Stimme mühelos, die Zuhörer wieder in den Bann der Musik zu ziehen und die jubelnde Menge vor der Bühne spricht für sich – In Strict Confidence hinterlassen ein trotz der Kälte angeheiztes Publikum für Deathstars.

Die vier schwedischen Jungs hat man längere Zeit nicht mehr auf deutschen Bühnen bewundern dürfen, doch beim Blackfield Festival war es endlich wieder soweit. Kaum sind Whiplasher, Nightmare, Skinny und Vice auf die Bühne gestürmt wird deutlich, dass sie nichts verlernt haben und Vollgas geben wie eh und je. Textsicher kann das Publikum begeistert mitsingen und zaubert ein dezent selbstverliebtes Grinsen auf die rot geschminkten Lippen des Sängers Whiplashers, der die Menge vor der Bühne seinen stark genuschelten Ansagen zum Trotze von der ersten Sekunde an in der Hand hat. Einen Bandhit nach dem anderen spielen die Deathstars, doch auch an älteren Stücken mangelt es der Setlist nicht, sodass für jeden etwas dabei sein dürfte. Mit dieser geballten Ladung Deathglam werden die Zuschauer perfekt vorbereitet den Headlinern des Abends überlassen.

In der Szene sind sie wohl jedem ein Begriff, sie werden geliebt, gehasst, bejubelt oder kritisiert: Blutengel. An diesem Abend im Amphitheater ist es eindeutig: Nie an diesem Tag war es so voll vor der Bühne und auf den Rängen, selbst diejenigen, die es bisher er gemütlich sitzend gehalten haben, stehen nun auf und recken neugierig die Köpfe dorthin, wo die schwarzen Notenständer, dicke Kerzen und ein bleicher Thron von blauen Lichtern beschienen werden. Es dauert nicht lang, dann betreten Chris Pohl und Ulrike Goldmann unter anschwellendem Jubel die Bühne und ziehen das Publikum binnen weniger Augenblicke in ihre eigene, düstere Welt.
Neben dem Gesang spielt auch die morbid-ästhetische Show bei Blutengel eine große Rolle, so werden Chris und Ulrike von Tänzerinnen in langen, eleganten Kleidern, blutigen Fetzen oder in Dessous begleitet, was die Textinhalte auf unterhaltend-elegante Art untermalt.
Viele aktuelle Stücke werden gespielt, unter anderem die Singles „You Walk Away“ und „Kinder dieser Stadt“, welche, wie Chris selbst anmerkt, strategisch ungeschickt in der Setlist direkt aufeinander folgen. Wirklich stören tut dies allerdings niemanden, denn die Tänzerinnen, Ulrikes starke Stimme und ein gut gelaunter Chris ziehen die Menge in ihren Bann, sodass auch Aufforderungen zum Mitklatschen überflüssig werden, da bereits alle Hände gen Nachthimmel gestreckt wurden.
So endet der erste Tag des Blackfields feierlich, mit leicht frierenden, aber glücklichen Zuschauern und der Hoffnung auf mehr Sonne am nächsten Tag – auch wenn sie albern macht.

Bilder & Bericht: Marie

 

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